
Warum braucht es eine Schule der Vielfalt?
Die Schule ist ein Lebens- und Arbeitsort für eine Vielzahl von Menschen, darunter viele LGBTIQ+ Personen. Doch besonders jüngere LGBTIQ+ Personen sind häufig Gewalt und Diskriminierung ausgesetzt und können nicht immer auf die Unterstützung ihres Umfelds zählen. Das führt zu einer erhöhten psychischen Belastung mit teils drastischen Folgen. Besonders stark unter Druck stehen mehrfach diskriminierte LGBTIQ+ Personen, die zusätzlich Diskriminierung aufgrund ihrer Hautfarbe, Herkunft, einer Beeinträchtigung oder anderer Diskriminierungsformen (intersektionelle Diskriminierung) erfahren.
Die Schule ist somit in der Verantwortung, eine faire, diskriminierungsfreie und unterstützende Lernatmosphäre zu schaffen. Alle Schüler:innen und Mitarbeitenden müssen das Recht haben, die eigene Geschlechtsidentität leben und ihre sexuelle und romantische Orientierung ausdrücken zu können.
Grundsätze und Massnahmen für eine LGBTIQ+ freundliche Schule
Wir haben ein Dokument mit den wichtigsten Grundsätzen für eine queerfreundliche Schule zusammengestellt, das als Leitlinie in den Schulen eingesetzt werden kann.
Was kann ich tun, um meine Schule inklusiver und sicherer für LGBTIQ+ Personen zu machen?
Dieser Leitfaden bietet Handlungsempfehlungen, um eine LGBTIQ+ freundliche Schule zu schaffen und so die Situation von LGBTIQ+ Personen zu verbessern. Er gliedert sich in fünf Schwerpunkte:
Schwerpunkt 1:
Ein unterstützendes Klima schaffen
Für LGBTIQ+ Personen ist ein unterstützendes Klima entscheidend für eine gute Lernumgebung und ein Gefühl der Sicherheit. Ein solches Klima erfordert umfassende Verbreitung von Information und Wissen über LGBTIQ+ Themen sowie ihre systematische Berücksichtigung im Schulalltag.
«Da ich eine Anrede verwende, die von ‹Frau› und ‹Herr› abweicht, hatte ich gar keine andere Wahl, als mich schon bei meinem Bewerbungsgespräch zu outen. Zuerst hatte ich Bedenken, in einer ländlichen Region als nonbinär out zu sein – doch der Schulleiter war unterstützend und verschickte ein Informationsschreiben an die Eltern. Die Schüler*innen benutzten meine Anrede, stellten interessierte Fragen – einige hatten sogar einen Podcast gehört, wo ich über das Thema sprach. Ich habe nie etwas Negatives von den Eltern oder Mitarbeitenden gehört und wusste, wenn es vorkommen würde, hätte ich die Rückendeckung meines Schulleiters.»
Schwerpunkt 2:
Diskriminierung vorbeugen
Diskriminierungen von LGBTIQ+ Personen sind in Schulen nach wie vor weit verbreitet, sowohl seitens der Schüler*innen als auch des Schulpersonals. Es ist daher sinnvoll, diese Verhaltensweisen zu antizipieren und präventiv Massnahmen zu ergreifen.
«Ich wurde in der Schule häufiger als Schw***tel und Schlimmeres bezeichnet – selbst in Anwesenheit von Lehrpersonen, ohne dass reagiert wurde. Das hat mir das Gefühl gegeben, dass solche Aussagen geduldet und als OK angesehen werden und ich sie wohl einfach ertragen müsse.»
Schwerpunkt 3:
Auf Diskriminierung reagieren
Diskriminierende Äusserungen und Handlungen sind leider Teil der schulischen Realität. Sie müssen systematisch erkannt und sanktioniert werden, um ein sicheres Lernumfeld zu gewährleisten.
«Ich wurde von einem Schüler auf Social Media als Sche*** Lesbe bezeichnet und mit Drohungen konfrontiert. Andere Schüler*innen meldeten mir den Post. Danach unterstützte mich die Schulleitung und die Schulsozialarbeit bei den nächsten Schritten, das hat mir als Lehrerin enorm geholfen.»
Schwerpunkt 4:
Entwicklung und Sichtbarmachung von Ressourcen
Für LGBTIQ+ Jugendliche ist es nicht selbstverständlich, jemanden zu finden, dem sie sich anvertrauen können. Daher sind Ressourcen, die den Schüler*innen sowohl innerhalb als auch ausserhalb der Schule zur Verfügung stehen, zu definieren und sichtbar zu machen.
«Als ich ans Gymnasium kam und mich bei einer Vertrauenslehrperson geoutet habe, hiess es gleich: Es gibt hier eine Peer-Gruppe queerer Jugendlicher und erwachsene Ansprechpersonen, falls etwas ist. Das hat sehr geholfen. In meiner alten Schule habe ich mich in schwierigen Situationen stets allein gefühlt.»
Schwerpunkt 5:
Vielfalt normalisieren und feiern
Vielfalt willkommen zu heissen bedeutet nicht nur, Diskriminierung zu verhindern, sondern auch positive Beispiele zu zeigen und die Präsenz von LGBTIQ+ Menschen in allen Lebensräumen und Lebensbereichen zu normalisieren.
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